Verstockter Hund




Schon seltsam, wie einem bestimmte Dinge auf einmal überall auflauern. Hunde zum Beispiel. Heute Morgen in der U-Bahn sagte die Frau neben mir, es sei ihr ja schon peinlich, dass ihr Hund immer um meine Beine herumwusele und ständig auf die Bank springe, um mit mir in mein Buch zu schauen. Aber ihr Fritz, so hieß der Hund, sei ja noch so jung und verspielt und beim Tierarzt sei das noch schlimmer mit ihm. Jetzt, am Ende des Tages, sehe ich im Fernsehen einen Film mit James Garner. Der ist als ermittelnder Polizist von der Unschuld eines unter Mordverdacht stehenden Dobermanns überzeugt. Spannende Sache. Murphy heißt der bewusste Hund. Während ich den Film schaue, fällt mir ein, dass ein anderer Polizist, dem Klaus Schwarzkopf seine Synchronstimme lieh, Inspektor Columbo war. Auch ein stolzer Hundebesitzer. So stolz gar, dass er mit seinem schlappohrigen Vierbeiner auf eine Hundeschau ging. Da hießen alle Hund Hasso oder Branka. Nur Columbo sagte, sein Hund heiße schlicht Hund, denn er sei ein Hund, warum solle er da nicht Hund heißen. Tom Hanks Hund hiess Hootch. Und der von Gideon Burkhard bekam den schönen deutschen Namen Rex. Als Streikbrecher macht der im übrigen gerade Schlagzeilen, weil er selbst im österreichischen Fernsehen Fälle löst. Bei so viel Indifferenz denkt man doch seufzend an den klügsten aller Hunde zurück, an Snoopy. Der wollte immer mehr sein als ein schnüffelnder, apportierender Wauwau und verweigerte sich Charlie Brown im Spielchen mit dem Stock. Stattdessen trottete er zu seiner Hundehütte, erkletterte sie und sinnierte die Sterne betrachtend, er wolle nicht als jemand erinnert werden, von dem man sage, er sei ein netter Kerl gewesen, er habe Stöcke gejagt. Wären doch alle Hunde so vernünftig wie er.



aus: FREITAG Nr. 24, 09. Juni 2000
 

 

Text, Foto, Gestaltung © 2004 BY LARS KLEIN...contact