Chronisch gut gelaunt

Woody Allens erster Musical "Alle Sagen: I Love You"


Dieses Mal zieht es Woody Allen fort aus Manhattan. Ausgerechnet er spielt in seinem neuen Film „Alle sagen: I love you“ den Schriftsteller Joe Berlin, der aus New York nach Paris gegangen ist. So beginnt dieser Film wie üblich am Hudson River, führt dann aber auch nach Paris und Venedig.

Es ist Allens erstes Musical; eines, in dem die Schauspieler selbst singen mussten, Julia Roberts zum Beispiel und Tim Roth. Er habe schon immer einen Film mit Menschen machen wollen, die nicht singen können, gestand Allen. Und schließlich ist er derjenige, der es wenigsten kann. Goldie Hawn singt passabel und Drew Barrymore als einzige nicht wirklich.

Die Menschen auf der Straße stimmen ganz klassisch in den Gesang ein, die hochschwangere Frau ebenso wie die mit dem Krückstock. Da setzen die Schwestern im Krankenhaus zum Chor an, und der Mann mit dem verbundenen Kopf erhebt denselben um seinen Part vorzutragen.

„Alle sagen: I love you“ ist Allens bisher heiterster Film. Und dass er ein Musical ist, überrascht kaum. Auf die Musik legte Allen bei seinen Filmen stets großen Wert. Hier steht sie nun ganz im Mittelpunkt.

Gewiß, da ist die belauschte Sitzung beim Psychoanalytiker wie in „Eine andere Frau“ und der Hypochonder aus „Hannah und ihre Schwestern“. Anders als in vorigen Filmen lacht das Personal von „Alle sagen: I love you“ jedoch bei jeder Gelegenheit. Selbst als Joe seinen Selbstmord plant bleibt es komisch, weil er dabei überlegt wie er sich in Paris umbringen kann, während er aufgrund der Zeitverschiebung in New York noch lebt. Schließlich gibt es nach jedem „I’m through with love“ ein weiteres „I love you“.
Woody Allens Figuren beschäftigen noch immer die gleichen Dinge: Beziehungsprobleme vor allem und der Tod. Es gibt keine Wagner-Opern, dafür aber die resolute österreichische Hausdame Frieda („Das war sie bestimmt schon bei Hitler“), und über alles wird lauthals am großen Küchentisch diskutiert. Woody Allen betrachtet das nun augenzwinkernd und mit einem Lächeln auf den Lippen. „Alle sagen: I love you“ ist, das bemerkte ein Kritiker, der liebenswürdigste Film seit langem.


aus: Mindener Tageblatt Nr. 233, 10. Oktober 1997




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