Was ist in dem Koffer?
In Ronin suchen Robert DeNiro und Jean Reno nach einem Gepäckstück
Vincent, sind wir glücklich?" möchte einer der Gangster in Pulp Fiction" wissen, oder anders ausgedrückt: Ist in dem Koffer dort das, was wir suchen? Sein Kollege nickt, doch der Zuschauer erfährt nichts über Inhalt des Gepäckstückes. Ein Film im Stile Hitchcocks, ein klassischer MacGuffin, um den - das fällt noch dazu kaum auf - sich die gesamte Handlung aufbaut.
Einen McGuffin kann der Kinogänger auch in "Ronin" bestaunen, dem neuen Film von John Frankenheimer. Ein Koffer spielt hier die heimliche Hauptrolle neben Robert DeNiro und Jean Reno. Die Frage "Was ist in dem Koffer?" wird auch hier oft gestellt und nie beantwortet.
In jedem Fall ist der Inhalt so wichtig, dass es sich lohnt, eine Gruppe von Gangstern und ehemaligen Geheimdienstlern mit der Wiederbeschaffung zu beauftragen. Unter ihnen ein Amerikaner und ein Franzose, DeNiro und Reno ("Leon", "Godzilla"). Vor allem ihnen bemüht sich der Film Profil zu geben und scheitert auf so spektakuläre Weise, dass dem Zuschauer jeder fehlgeschlagene Versuch unangenehm auffällt.
Zum Glück kann man das schnell vergessen, und der Film beginnt mit der eigentlichen Geschichte. Die Wiederbeschaffung des Koffers nämlich verlangt eine aufwendige und gut umgesetzte gesetzte Detailarbeit, die in viel Schießerei und lange Verfolgungsfahrten mündet.
Damit nicht genug: Natürlich hat fast jeder der Beteiligten einen eigenen Hintermann und noch dazu persönliche Interessen. Da werden Telefonanrufe getätigt, Kollegen betrogen und ertappt, und hinter jedem Hintermann steht noch ein weiterer. Ronin" entwickelt sich zu einem spannenden und temporeichen Thriller, wie er so lange nicht in den Kinos zu sehen war.
Schade nur, dass der Film seine Ideen etwas verschleißt und überflüssigerweise eine Samurai-Geschichte beinhaltet. Wer darüber hinwegsehen kann, wird seine Freude haben. Für alle anderen ist Ronin wohl ein zweifelhaftes Vergnügen.
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