He fumbles at your Soul (315) -- 1862
"He fumbles at your Soul" ist eines der Gedichte, in denen Dickinson die Aufgaben der Poesie und des Schriftstellers behandelt. Gedichte und Poeten seien die einzigen, schreibt Gary Stonum, die sie beständig idealisiert habe und sie mit hoher romanischer Majestät ausgestattet. In einem ihrer berühmtesten Briefe schreibt Dickinson an Higginson, wenn sie etwas läse, das sie so kalt werden ließe, dass kein Feuer sie wärmen könne, dann wisse sie, dass es sich um Lyrik handele. "If I feel physically as if the top of my head were taken off, I know that is poetry. These are the only way I know it. (Stonum, 10)
So üben Gedichte für Dickinson Gewalt aus und nehmen in Besitz. He fumbles at your Soul ist für Adrienne Rich ein poets poem that is, [
] about the poets relationship to her own power, which I exteriorised in masculine form, much as masculine poets have invoked the female muse. (Vesuvius, 165f.)
Das Subjekt des Gedichtes ist das he, vermutlich also ein Poet, der die Seele ertaste wie ein Klavierspieler seine Tasten. Der Pianist kennt sein Klavier, kennt jede einzelne Taste und weiß so gut mit ihnen umzugehen, dass er Begeisterung weckt.
Was Dickinson beschreibt, ist ein echtes Spiel: Der Pianist variiert das Tempo, spielt leise, dann lauter, bereitet das Finale vor. Es scheint fast, als improvisiere er, als sei das Stück nur auf den einen Zuhörer abgestimmt, dem es nicht nur den Atem raubt, sondern fast den Verstand. Das Finale dann ist gar wie ein kaiserlicher Blitz, der die schon bloßgelegte Seele skalpiert.
Die letzten beiden Zeilen wirken wie ein Nachsatz, wenn Winde ganze Wälder niederreißen, heißt es, dann ist das Universum still. Dann haben die Winde das Gewitter weggefegt. Nach dem einen, kaiserlichen Blitz nun, wirkt die Musik nach, hallt in einem leergefegten Raum. Die Seele des Menschen ein Universum.
Mit dem Wort Universum hat Dickinson die erste Version des Gedichtes geändert. Firmament stand in der ersten Fassung. Zudem hat Dickinson die Verse weiter gebrochen, so dass der Kreuzreim der ersten beiden Strophen verschwunden ist. Durch weitere Gedankenstriche wird auch der Jambus weniger deutlich.
Nach der Ausgabe von 1924 findet sich das Gedicht unter dem Titel "He fumbles at your spirit" bei Bartleby:
http://www.bartleby.com/113/3046.html