Emily Dickinson


Title divine - is mine!


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One Sister have I in our house (14) -- 1858

Dickinson hat Higginson gegenüber angemerkt, was wohl die meisten Schriftsteller und Poeten für sich beanspruchen: Dass es sich bei den Personen, die in ihren Gedichten vorkommen, immer um eine „supposed person“ handele und einen „Representative of the verse“ (Letters, 412. Stonum, 103) Doch ihre Gedichte lassen sich nur dann verstehen, wenn wir Bezüge zu ihrem wirklichen Leben herstellen.

So ist es mit diesem Gedicht, das Dickinson Ende 1858 geschrieben hat. Es stellt wahrscheinlich ihre wirkliche Schwester, Lavinia, und ihre Stiefschwester, Susan, gegenüber. Mit der einen ist die aufgewachsen, der kleinen Schwester, die alte Kleider der Sprecherin getragen hat. Die andere habe sich gegenüber eingenistet und für ihres und das Herz der Sprecherin ein Nest gebaut.

Von dem Bild des Nestes geht Dickinson aber sogleich zu einem anderen über: Die entfernte Schwester habe nicht gesungen wie die anderen, sondern wie eine Hummel gesummt. Es ist also kein Gesang, den sie von nebenan vernimmt, sondern ein Summen, ein Gesang, der die Zuhörer nicht erfreut wie das Zwitschern der Vögel, schwerer verständlich, ein Gesang, der introvertierter ist.

Von ihrer tatsächlichen Schwester ist nun nicht mehr die Rede. Vielmehr davon, wie die andere ihr die Zeit von der Kindheit bis heute erleichtert hat. Noch immer höre sie ihr Summen von nebenan, das auch jetzt noch die Schmetterlinge verjagt. Aber in ihren Augen sieht sie noch immer das blühende – eigentlich gar verblühte – Leben des Frühlings.

Sie habe Tau verjagt, sagt die Sprecherin, den Tag beginnen lassen, dabei den Morgen genommen. Der Morgen gehörte Emily, der Rest des Tages (Sues Lebens) gehört nun ihrem Bruder Austin. Vielleicht finden sich in diesen Zeilen auch eine Anspielung auf Sues Geburtstag. Das erklärte die letzten drei Zeilen: Den Stern als Geschenk, diesen einen besonderen, der ewig an Sue erinnern werde.


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