Emily Dickinson


Title divine - is mine!


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A still – Volcano – Life –  (601) -- 1862

Wie ihre Gedichte über Lyrik (etwa „He fumbles at your Soul“), handelt auch dieses davon, wie eine Existenz von einem Dämon besessen ist. Die Vulkans-Metapher hat Dickinson oft auf sich angewendet und nicht zuletzt Adrienne Rich damit zum Titel ihres Dickinson-Aufsatzes inspiriert: „Vesuvius at home“.

Und wie „I’m Nobody! Who are you?” handelt dieses Gedicht vom Leben und Wirken im Verborgenen. Aber wo Gedicht Nummer 315 nur ein Bekenntnis zu diesem Leben ist, geht Nummer 601 weiter. Es erläutert nun, wie das Leben dennoch pulsieren kann. Dickinson spricht von einem nicht ausbrechenden Vulkan. Funken sprüht er trotzdem. Er tut es nachts, wo sie zum einen zwar – das sagt sie nicht explizit – gut sichtbar sind, aber zum anderen so, dass die Sicht durch das sprühende Feuer nicht gemindert werde. Fast ist es, als führe der Vulkan selbst kontrollierte Ausbrüche herbei und halte sich von einem großen Ausbruch bewusst ab.

Diese Ausbrüche des Vulkans, heißt es, seien so subtil, dass sie auf der nördlichen Seite kaum zu bemerken sind, nur auf der des Sprechers. Sie seien wie kleine Erbebeben. Und dieses feierliche Symbol der Hitze, das muss nach der Schilderung des Gedichtes genauso ernst und feierlich sein wie Lippen, die niemals lügen. Doch die Folgen, die jene zischenden Felsbrocken haben, können fatal sein: Sie können Städte teilen, schließen oder gar versickern lassen. Die Sprache also ist gefährlich und nicht zu unterschätzen, auch wenn sie so harmlos und kaum bemerkt daherkommt. Auch in diesem Gedicht also liegt Stolz und Beharren auf den – zumeist unterschätzen – Kräften dieses stillen Vulkans und seinen Auswürfen.

© 2004 BY LARS KLEIN ~ webmaster@lars-klein.com >>>LITERATURSEITE