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Der Kult von Mao sei der Kult seines Buches, heißt es. Als Parteivorsitzender selbst wird Mao erinnert; als der Mann, der totgesagt wurde und schwimmend triumphal zurückkehrte; als Foto und als Bild von Warhol. Dem Parteivorsitzenden Mao unterliegt der Autor Gray: Zwar ist sein Kult auch der seines Buches; totgesagt kehrt auch er zurück, triumphal zunächst. Aber dann, könnte man polemisch zuspitzen, kann er nicht nur nicht schwimmen und nimmt die Fähre, sondern er stirbt dabei auch noch während der Überfahrt. Kein zweiter Mao. "Mao used photographs to announce his return and demonstrate his vitality, to reinspire the revolution. - "Bill's picture was a death notice." Doch obwohl der Autor im Roman stirbt, ist "Mao II" selbst ein stringenter, gut lesbarer Roman, der nicht mit seinem Leser spielt. Auf DeLillo als Autor können wir uns verlassen.
Sein Romanheld, der Schriftsteller Bill Gray, stirbt einen anonymen Tod; stirbt an den Folgen eines Unfalls; stirbt in einer Art von Selbstaufgabe. Bill Gray erkundigt sich bei Ärzten nach seinem Zustand, vorgeblich, um ein Ende für seinen Roman zu finden. Tatsächlich aber geht es um ihn selbst. Er würde sich sein Ende natürlich anders wünschen, bietet Symptome an, lässt sich überzeugen, erfährt, dass er tödlich verletzt wurde und zuallerletzt in der Lage ist zu reisen. Er reist trotzdem und stirbt auf dem Weg, ohne seine Mission zu erfüllen auf der Bank einer Fähre. So ist es, als sei ihm seine Geschichte entrissen worden. Seine Leiche wird am Ende von Fremden durchsucht, sein Ausweis geklaut. Gray endet als namenlose Leiche. Zuvor hatte er Athen besucht, hat sich durch die Stadt geschleust wie James Axton in The Names, unweit jenes Ortes, an dem dort vom Roman die Rede war und dessen Tod. In Athen hatte Bill auch den folgenschweren Verkehrunfall.
Dabei war Gray schon seines Namens wegen die Versinnbildlichung des unauffälligen Schriftstellers. Dazu lebte er zurückgezogen, dass die Fahrt zu ihm, wie Brita zu Scott sagt, wie der Weg zu einem Terroristenchef war. Am Vergleich mit den Terroristen verdeutlicht der Roman die Machtlosigkeit des Schriftstellers. Wie einfach es für den Terroristen ist, sich Gehör zu verschaffen, wie mühsam die Arbeit für einen Autoren.
Auf jeden Satz, erläutert Bill seine Auffassung des Schreibprozesses, warte am Ende eine Wahrheit, und der Autor habe gelernt zu wissen, wann er angekommen sei. "On one level this truth is the swing of the sentence, the beat and poise, but down deeper it's the integrity of the writer as he matches with the language. I've always seen myself in sentences." Aber jetzt komme er nicht mehr so weit, gesteht er. Es ist das Eingeständnis seines Scheiterns. "I no longer see myself in the language. The running picture is gone, the code of being that pushed me on and made me trust the world." Und schließlich fällt das Wort, das für John Barth die Literatur der Postmoderne ausmacht: "Exhausted." ("The Literature of Exhaustion") So gesehen ist "Mao II" ein im höchsten Masse metaphorischer Roman. Denn an der Literatur hängt die Existenz des Autors, das eine geht nicht ohne den anderen. Und wenn die Literatur erschöpft ist, dann muss es auch der Autor sein. "I'd just as soon have my books rot when I do. Why should they outlive me? They're the reason I'm dying before my time."
In Mao II entpuppt sich beides als überholt: Der Roman bleibt unvollendet und sein Autor verschwindet. Das eine bedingt das andere: Der Autor arbeitete dreiundzwanzig Jahren an einem Roman, brachte ihn an ein Ende, unzufrieden, schrieb Passage für Passage neu bis sich die Papiere in einer Hütte stapelten. Er entflieht dem Roman, gesteht sich gewissermaßen ein, ihn nicht in den Griff zu bekommen. Sein Tod am Ende ist nur folgerichtig. Dabei war der zurückgezogen lebende Autor so lange berühmt und berüchtigt, wie er sich rar machte. Dann trat er an die Öffentlichkeit und verlor immer mehr die Kontrolle über sich und das was er tat. So ist der Autor den Anforderungen der Menschen nicht gewachsen. Schon als Brita Fotos von ihm macht, ist Bill bewusst, dass seine wirkliche Existenz durch dieses Bild ersetzt werden wird: Im all idea today. [...] I'm playing the idea of death. Look closely."
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