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"White Noise" ist wie die anderen Romane Don DeLillos formal nicht eindeutig postmodern. Die postmodernen Elemente finden sich auf der inhaltlichen Ebene. Im Falle dieses Romans ist zum einen der Umgang mit Medien wichtig und zum anderen die Frage nach Identität.
Der Protagonist Jack Gladney versteckt sich als Professor für Hitler-Studien - ein Studiengang, den er selbst erfunden hat - hinter der Grausamkeit seines Objektes. Gladney hat es dabei nie geschafft, Deutsch wirklich zu lernen, aber allein die Ahnung, die er von der Sprache hat, reicht schon, um den Zweck zu erfüllen. "I sensed the deadly power of language. I wanted to speak it well, use it as a charm, a protective device." In seinem Aufsatz "Silhoutte City" schreibt DeLillo, die Nazis seien Meister der Extreme, sie hätten das Schlimmste nicht nur ausgedacht, sondern auch ausgeführt. "They engineered a level of pain and death that takes us to the end of self-knowledge." Dass DeLillo das Wort "engineered" benutzt, ist bezeichnend. Technologie ist für DeLillo in jeder Hinsicht todbringend: Zum einen liefere es den Tod der anderen und trage auf der anderen Seite, so sagt es Murray, einen "suicide wish" in sich.
DeLillo zeigt, wie geradezu irrwitzig sich Welt und Abbild in der Postmoderne zueinander verhalten. Jack und sein Freund Murray besuchen beispielsweise die most photographed barn der Vereinigten Staaten. Die Scheune ist von Hinweisschildern, die auf diese Besonderheit hinweisen, beinahe verdeckt. Ihr übriges tun die Besucher, die sich drängeln, diesen Status der Scheune aufrechtzuerhalten. Nebenbei fragen sich die beiden, ob diese Scheune etwas von anderen unterscheidet, und befinden, dass man, hat man einmal die Schilder gesehen, die Scheune selbst nicht mehr sehen könne. Die Realität also tritt hinter ihrem Abbild, das Objekt hinter seinen Repräsentationen zurück. Das, so Frank Lentriccia, sorge keineswegs für Nostalgie, sondern für Freude. Schließlich wolle man kein neues Bild aufnehmen, sondern eines aufrechterhalten. Die Postmoderne als andauerndes Jetzt.
Fragen nach Welt und Abbild bestimmen auch den Umgang mit dem viel weltlicheren und dringlicheren Problem, dem "Airborne Toxic Event". Jacks und Babettes Kinder sitzen nach dem Giftunfall abends vor dem Fernseher und entwickeln die Symptome, von denen im Fernsehen gesagt wurde, sie würden gegenwärtig beobachtet. Nach dem Unfall wird die Umgebung der Unfallstätte, in der sich auch Gladneys Haus befindet, evakuiert. Die Evakuierung leitet die SIMUVAC, "Simulated Evacuation". Das Team behandelt den Erstfall als Übung, denn eigentlich könne nichts besser den Unfall simulieren als der Ernstfall selbst. Der Einsatzleiter ist letztlich unzufrieden, weil dieser Ernstfall nicht seinen Vorstellungen entsprach: "There is no substitute for a planned simulation". Also gibt es später eine echte Übung, in der Steffie eine der Toten spielt. Wenn sie jetzt schon eine Tote sei, sagt sie, müsse sie später vielleicht nicht tatsächlich sterben. Aber so sehr auch Welt und Abbild verschwimmen, so verwirrend die Welt und so unzusammenhängend, so sicher ist doch diese eine Wahrheit, dass der Mensch sterblich ist. Jack und Babette können mit ihr nicht umgehen.
Die Beschäftigung mit dem Tod zieht auch in "White Noise" die mit der Religion nach sich. Das "Airborne Toxic Event" ist Versinnbildlichung eines übermenschlichen Ereignisses, todbringend und außerhalb jeglichen Einflusses für den Menschen - und dennoch vom Menschen gemacht. Gladney fehlt etwas, das er gegen dieses Ereignis setzen könnte. Wo seine eigene Kraft nicht reicht, ist aber auch der Rückzug ins Religiöse für ihn kein Ausweg. Alles Außerweltliche spielt für ihn keine Rolle. Er zieht sich zurück auf eine Gestalt der Geschichte, die aber den entscheidenden Schutz ebenfalls nicht bieten kann: "Our helpessness did not seem compatible with the idea of a man-made event."
Und so ist es auch mit dem Tod. Jack weigert sich, den Tod als etwas zu sehen, was mit der menschlichen Existenz unweigerlich verbunden ist. Es ist für ihn nichts, was zum Leben gehört, sondern es dringt ein. "Death has entered", stellt er fest, sieht ihn als "horrible alien logic". Den Kampf mit dem Tod fasst er als Spiel auf. Da er dem Gift Nyodene D ausgesetzt war, das in seinen Auswirkungen weitgehend unerforscht ist, kann sein Arzt keine endgültigen Auskünfte über den Krankheitsverlauf geben. Wenn er es schaffe, noch 15 Jahre am Leben zu bleiben, dann könne er mehr sagen, dann sei die Halbwertzeit des Giftes erreicht. "I've got death inside me", bilanziert Jack also. "It's just a question of whether I can outlive it or not."
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