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Religion bei DeLillo
Als Owen Brademas in The Names dem Kult und ihrem System verfällt, hat er kurz vor seinem Tod er eine Unterhaltung mit James Axton, dem Protagonisten des Romans. Ob er wisse, möchte Owen wissen, warum er sich dem Kult anschließen, sich aufgeben und sterben müsse. "To honor God, yes", antwortet James. Nein, sagt Owen, es
gebe keinen Gott. "Then you can't run, you mustn't run. There's no point, is there. It's stupid and destructive". Aber das stimmt nicht, und James selbst sieht das ein. Die Funktion des Kults ist eine quasi-religiöse, auch wenn der selbst keinen solchen Hintergrund hat. "The cult is the only thing I seem to connect with. It's the only thing I was right about", sagt James. Und Owen stimmt zu: "It's true to the premise." Beim verzweifelten Versuch, etwas zu finden, an das sie sich klammern k?nnen, sind die beiden vom Kult fasziniert. Er befriedigt ihre Suche nach Logik und System.
Mit Religion und der antiken Welt konnte James nie viel anfangen. Erst am Ende erkennt er, dass seine Sicht falsch war, die Überbleibsel der griechischen Kultur nicht fremd und unzugänglich. Nicht ums Verstehen gehe es, sondern ums Fühlen. Er erkennt letztlich, dass das Pantheon und Athen nicht zwei verschiedene Dinge sind, nicht unabhängig voneinander. Was James hier erkennt, ist die Verbindung, der Sinn in der Geschichte, das Fundament der Gegenwart. Human feeling erlebt er im Pantheon, und das ist viel mehr als er durch Kunst, Mathematik und ihrer Struktur erfahren konnte. Und gleichzeitig bleiben ihm von dieser Welt, ganz wie Fredric Jameson behauptet, nicht mehr als ihre Ruinen, nur ein paar Steine. Ganz verloren jedoch, das ist die Einsicht, die zählt, ist sie nicht. Our offerig is language, merkt er. Und es heißt auch: Sprache trägt die Religion. Religion ist also, was bleibt.
Aber mit dieser Einsicht ist James allein. DeLillos Figuren irren meistens durch eine Welt ohne Halt und transzendentalen Sinn. Fredric Jameson hatte gesagt, dass das Fehlen eines Originals uns an Pseudo-Ereignisse glauben lässt und in Pop und Konsum nach dem suchen, was tatsächlich nicht zu finden ist. Alles sei schließlich nur Kopie eines Originals, das es nicht gegeben hat. So ist es etwa mit der meistfotografierten Scheune in White Noise. Murray, der am College on
the Hill einen Kurs über die Geschichte der Autounfälle unterrichtet, geht gar so weit zu sagen, der Menschenauflauf sei ein "reigious experience".
Aber nur die vermeintlichen Fanatiker glauben bei DeLillo wirklich an etwas, der Kult in The Names oder die Anhänger des Reverent Moon in Mao II. Eine der Moonies, Karen, sagt, es ängstige die Menschen, dass sie wirklich glaube. Sie wisse, wer Gott sei, und den anderen Menschen fiele da nichts anderes ein, als die Polizei zu anrufen und die Psychiatrie. Gerade diese Menschen brauche er, sagt der Schriftsteller Bill Gray zu Brita. "I need these people to believe for me. I cling to believers. [...] Without them, the planet goes cold." Da greift der Roman ein Motiv aus White Noise auf. Eine Nonne sagt dort, sie tue nur so, als würde sie glauben. Irgend jemand müsse das schließlich. Es sei ihre Aufgabe, an Dinge zu glauben, die niemand sonst ernst nähme. Für Jack Galdney, Professor für Hitler-Studien, ist dieses Eingeständnis schrecklich, er fleht sie an, ihm nicht mehr zu erzählen und geht mit den Worten: Youre a nun. Act like one."
Wo es keine letzte Gewissheit gibt, machen sich
Unsicherheit und Unsichtbarkeit breit. Owen spricht vom Terror in
den Seelen des Menschen. "They make the system equal the terror." Das ist die merkwürdige Konsequenz. Denn der Kult wollte gar nichts, er hat nur die Buchstaben verglichen. James' Ex-Frau Ann formuliert stellvertretend: "The world is so big and complicated we don't trust ourselves to figure out anything on our own. [...] We're trying to keep up with the world, the size of it, the complications." DeLillos Figuren scheitern in diesem Versuch.
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