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Langsam machen einen die Lobpreisungen von DeLillos neuestem Roman skeptisch. Da muss was faul sein, denkt man, aber gleichzeitig staunt man eben doch immer wieder über dieses 900-Seiten-Konvolut. Dass es jemand auf gleichbleibend hohem literarischen Niveau schafft, so abwechslungs- und facettenreich zu erzählen, ist in der Tat nicht oft genug hervorzuheben. DeLillo zeichnet aus, was von kaum einem anderen zeitgenössischen Autor behauptet werden kann: Er hat mittlerweile 12 Romane geschrieben, die sich thematisch und von ihren Charakteren her völlig voneinander unterscheiden.
Trotzdem, und das ist ebenso erstaunlich, lassen sich Parallelen herstellen, kommt DeLillo immer wieder auf angestammte Themen zu sprechen, oft sogar in den gleichen Formulierungen. "Underworld" muss als Summe seines bisherigen Schaffens gesehen werden. Es vereint beinahe alles, was den Autor bisher beschäftigt hat, zu einem - bei aller Fragmentalität und trotz einiger Abstriche - konsistenten Text. Nick Shay ist sein Protagonist. Er begibt sich auf die Suche des Baseballs, mit dem 1951 der entscheidende Homerun im Spiel der Dodgers gegen die Giants geschlagen wurde. Es wird eine Suche, bei der Shay nicht nur seine Vergangenheit rekonstruiert, sondern auch das Amerika des kalten Krieges. Er trifft auf eine alte Liebe, die ausgediente B52-Bomber in Kunstwerke verwandelt; sucht selbst nach einer Möglichkeit, Atombomben zu beseitigen; sucht Sinn und Zusammenhalt im Baseball, und muss am Ende feststellen, dass sich die Gesellschaft um eine Leerstelle gruppiert, dass es kein gemeinsames Zentrum mehr gibt.
aus: Amazon.de,
24. November 1999
Zu Underworld siehe auch
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