Es ist oft genug ein Fehler, von den Texten auf autobiographische Details zurückzuschliessen, die über eine/n SchriftstellerIn bekannt sind. Das ist es auch bei Adrienne Rich. Es sind auch nicht die Inhalte ihrer Texte, die notwendig durch die Biographie erklärt werden, die Wahl ihrer Themen aber ist bei ihr oft genug durch die Biographie bestimmt.
Rich ist eine engagierte Schriftstellerin, macht sich bemerkbar in politischen wie gesellschaftlichen Fragen. Dass man Rich zu den feministischen Autorinnen zählen kann, ist unstrittig. Ihre Texte sind bestimmt durch den Versuch, eine männlich geprägte Welt zu überwinden, patriarchalische Strukturen zu identifizieren und aufzubrechen.
Dass sie selbst sich in den Jahrzehnten gewandelt hat und mit Hilfe der Lyrik diesen Wandel vollzog, ist anhand der Texte gut nachzuvollziehen. Rich hat geheiratet, wurde Mutter, begann sich in Frage zu stellen. Nicht zuletzt mit dem gleichnamigen bedeutenden Essay lehnte sie sich endgültig gegen die "Compulsory Heterosexuality" auf und bekannte sich zur Homosexualität.
Für Emily Dickinson hat sich Adrienne Rich früh interessiert. Wir können nur mutmassen, ob Dickinson den Schritt nicht unternehmen konnte, den Rich schliesslich wagte. Rich hat immer wieder auf Dickinson verwiesen, ihre Dickinson-Lesarten sind immer anregend und kenntnisreich.
Die kurze Bibliographie zu Adrienne Rich versammelt zumeist hervorragende Literatur zur Autorin. Im Internet findet sich allerhand Material zu Rich, nur wenig von ihr. Die Seite der Modern American Library ist ein guter Ausgangspunkt.