I Am in Danger – Sir –


Poetry I


North American Time


Driving into the Wreck


Power


Prospective Immigrants Please Note


First Things


After Dark


Twenty-One Love Poems


Final Notations


Literatur zu Rich




nochmal von vorn

 






After Dark. -- 1964

Dieses Gedicht stammt aus dem Band, in dem Adrienne Rich der Lyrik Emily Dickinsons am nahesten gekommen ist. Es beschreibt das Ergebnis dessen, was in „Prospective Immigrants Please Note“ noch zu entscheiden stand: Wähle ich ein neues Leben und lasse das alte hinter mir, oder bleibe ich bei dem, was ich habe? Diese Frage wird nun für die Sprecherin entschieden, deren Vater stirbt. Er schläft, während sie wacht und ihm gesteht, wie schwierig die Beziehung zu ihm war. Dass sie seinen Tod wünschte, gesteht sie gar ein. Ihre Beziehung zum Vater ist noch immer zwiespältig. Ein „old tree of life“ sei er. Sie ist unter seinem Schatten aufgewachsen bis sie sich aufmachte, erwachsen wurde, Kinder bekam. Die Kindheit hat sie nicht abschütteln können, ist verstümmelt, hinkt. So dass sie selbst als Mutter Schwierigkeiten hat und merkt, wie sie behindert ist durch ihre eigene Erziehung, Fehler macht, sich als Tochter ihres Vater erkennt.

Alles um das Sterbebett herum ist ihr genauestens vertraut. Der Plattenspieler, die Schallplatte, die sie auswendig herleiert und die einen Sprung zu haben scheint. Aber das alles, merkt sie, wird sie nicht loswerden können, auch nicht, wenn der Vater erst sein Gedächtnis verliert und dann gar sterben wird. Er mag sie nicht mehr peinigen können, aber sie hat ihn längst verinnerlicht, sein Einfluss ist unabhängig von der wirklichen Person. Die arroganteste und schlechteste Ausprägung der amerikanischen Macht sei es immer gewesen, die weiße Kultur ins Zentrum zu stellen. Aber auch sie muss eingestehen, dass sie Spuren davon in sich trage und nicht loswerde. Das sagt schließlich auch dieses Gedicht. Der Kampf zwischen ihnen beiden, heißt es, ist noch nicht beendet. Ein Kampf, den sie nicht einmal ausgefochten hat, aus Angst. Sie biss sich auf die Zunge, ihn nicht zu beginnen.

Stattdessen erträumt sie sich Szenen einer Kindheit, wie sie sich gewünscht hätte. Und da gesteht sie ihm zu, das beste gewollt zu haben, aber selbst gehemmt gewesen zu sein. Seine Ängste, heißt es, fliegen fort. Und seine Hand war am Ende noch so stark wie immer. 

 


After Dark. In: Necessities of Life. Poems 1962-1965. New York: W. W. Norton, 1966. S. 29-31.

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