I Am in Danger – Sir –


Poetry I


North American Time


Driving into the Wreck


Power


Prospective Immigrants Please Note


First Things


After Dark


Twenty-One Love Poems


Final Notations


Literatur zu Rich




nochmal von vorn

 






Prospective Immigrants Please Note. -- 1962

Auch dies ist eines der politischen Gedichte von Adrienne Rich. Rich hat sich in ihrer Lyrik immer mit Politik und Gesellschaft beschäftigt, während Dickinson das Geschehen (nicht zuletzt also den Bürgerkrieg), das um sie herum tobte, immer für so groß und mächtig hielt, dass sie es so gut es ging ignorierte. (Stonum, 82) Bei Rich nun scheint es anders herum: Sie wird von der Welt ignoriert. Der Titel des Gedichtbandes deutet es an: Die Schwiegertochter ist Außenseiterin, drängt sich quasi in eine Familie, die eigentlich nicht die ihre ist und muss sich erst beweisen.

Das hat sie mit den Immigranten gemein. Und so ist das Gedicht als zwar zunächst Stellungnahme zur Immigration und zur Eingliederung in die Gesellschaft zu lesen – eine Interpretation, die sich allerdings nur schwer durchhalten lässt. Zum anderen hat das Gedicht eine persönliche Dimension, und ist jene Immigration die von Adrienne Rich selbst. Mit dem Gedicht macht sie sich klar, was mit der Immigration zusammen hängt, und was sie bedeutet. Diese zweite Lesart wird unterstützt dadurch, dass diese Immigration vollkommen freiwillig ist. Von Zwängen ist hier nicht die Rede, auch wenn wir zweifellos annehmen müssen, dass sie da sind.

Eine Tür ist in diesem Gedicht der Weg zu einem neuen Leben. Sie ist ein Bruch, eine Zäsur, teilt es in zwei. Das Leben hinter dieser Tür ist zwar ein neues, gänzlich anderes. Eines aber kann diese Tür nicht, sie kann das alte Leben nicht ungeschehen machen. So ist denn die Immigration die Lossagung von der eigenen Vergangenheit, die notwenig hinter der Tür zurückbleiben muss, die aber keineswegs vergessen werden kann. Das sei das Risiko, heißt es, dass es immer wieder auftauche, dass es sich immer wieder aufdrängt und zum Vergleich zwingt mit dem, was die Immigranten im neuen Leben haben. Beides hat so seine Nachteile, weil beides auch seine Vorteile hat. In jedem möglichen Leben ist es immer die Aussicht eines anderen, das blendet und zweifeln lässt. Und, so die abschließende Frage, wer wisse denn schließlich, was man mit der Immigration aufs Spiel setze, was man neu erhalte und was man an Altem einbüße. Vorher weiß das niemand. Und die Tür, so der letzte Absatz, verspreche nichts, sei nur eine Tür, und somit neutral.

Das Leben muss schließlich jeder selber führen, und so viel auch von äußeren Einflüssen abhängt und anderen Menschen, das Leben ist letztlich eines, das jeder selbst führen muss, auf eigene Verantwortung und nach eigenen Entscheidungen.  

 


Prospective Immigrants Please Note. In: Snapshots of a Daughter in Law. London: Chatto & Windus / Hogarth Press, 1970. S. 58.

http://www.adriennerich.hpg.ig.com.br/snapshot.htm 

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