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FREUD: Dass der Mann, den Ödipus auf seiner Reise erschlug, sein Vater war und der Sohn später ahnungslos seine Mutter zur Frau nahm, das war für Freud die Urerfahrung des Menschen. Auf dem Ödipuskomplex gründen seine Theorien. Vor allem seine Instanzenlehre fußt auf dieser Urgeschichte, denn das Über-Ich ist in seiner Doppelgesichtigkeit durch die Eltern geprägt. Der Vater ist aufgehoben im strengen Kritiker, die Mutter im Ich-Ideal. Zwischen beiden ist das Ich hin- und hergerissen, beiden will es folgen und beiden kann es nicht genügen.
SARTRES BLICK: Sartres Text als Beispiel für die Abwertung des Anderen in der Philosophie. "Missachtung" ist also im Sinne von "Geringschätzung" gebraucht, nicht im Sinne von "Nicht-Beachten", wobei ich das eine wie das andere für nicht zutreffend halte, ich werde darauf zurückkommen. Anerkennen muss zunächst auch ich, dass es einen Kampf mit dem Anderen gibt um die Stellung als Subjekt. Er wird dadurch entfacht, dass der "Objekt-Andere in der Verbindung mit der Welt als der Gegenstand definiert ist, der das sieht, was ich sehe" . Die Gegenstände der Welt nämlich gruppieren sich für mich wie für ihn, und ich habe eine andere Sicht auf die Dinge als der Andere, den ich zunächst selbst als Gegenstand meiner Welt wahrnehme.
SINNSUCHE: Die Frage scheint ganz banal: Wo ich nur noch zehn Minuten Zeit habe, bis ich nach x oder zu y aufbrechen muss, macht es da noch Sinn, dieses oder jenes anzufangen? Doch so banal und harmlos die Frage klingt, sie ist doch eine von vielen Sinnfragen, mit denen der Mensch täglich konfrontiert ist. Nur ganz selten einmal kommt er von den kleinen Dingen zu den ganz großen, und kaum jemand mag etwa der Frage nach dem Sinn des Lebens lange ausgesetzt sein ohne eine Antwort parat zu haben. Denn unter dem Strich müssen all die kleinen wie großen Dinge eines bewirkt haben: Sie müssen dem Leben einen Sinn gegeben haben.
BRODKEY: Der Gedanke an den Tod ist meistens unangenehm. So lange wie möglich versuchen wir, der Auseinandersetzung mit ihm aus dem Weg zu gehen. Um das tun zu können, schöpfen wir aus einem ganzen Katalog voller Wendungen, Phrasen und Verschönerungen. Anstatt zu sagen, jemand sei gestorben, sagen wir zum Beispiel, er sei eingeschlafen, und damit nicht tot, sondern nur von uns gegangen.
SARTRES ANDERER: Das oben von Sartre angesprochene Verbot hinauszugehen, verlangt nach einem konkreten Anderen. Jemand muss dieses Verbot in bezug auf mich ausgesprochen haben. Auch im Café mussten wir eine bestimmte Person vermissen. Was wir empfanden, war kein diffuses Gefühl unbekannter Herkunft, sondern wir vermissten gerade Pierres Anwesenheit. Etwas anders geartet waren die Fälle der Person im Park und der Schritte im Flur. Im ersten Fall verlangten wir nach einer Person, die zu diesem bestimmten Zeitpunkt gleichzeitig mit mir im Park stand und Blicke tauschte. Näher bestimmt werden musste der Andere nicht. Es konnte Pierre sein oder Thérèse oder wer auch immer, sie oder er musste mich nur zu diesem Zeitpunkt von diesem Ort aus anblicken.
HORIZONT: "Die Schwierigkeit ist, dass es nicht genügt, wenn Sie genau den Regeln entsprechend leben", schreibt Michel Houellebecq. Sie müssen - seinen Erläuterungen fol-gend - die Steuererklärung einreichen, dürfen nicht ohne Personalausweis aus dem Haus gehen, und selbst wenn Sie das kleine Etui für die Scheckkarte nicht vergessen, einkaufen, arbeiten und dann noch Freizeit haben, so könnte das unter Umständen nicht genügen.
NAGEL: Kompatibilist in der Diskussion um das Thema "Willensfreiheit" zu sein, bedeutet traditionellerweise, die Meinung zu vertreten, freier Wille und Determinismus ließen sich versöhnen. Der amerikanische Philosoph Thomas Nagel ist eigentlich kompatibilistisch in seinem Versuch, freie Handlungen zu begründen, ganz egal ob der Determinismus wahr ist oder nicht. Dennoch zählt Nagel zu den Inkompatibilisten.
MONTAIGNE UND SENECA: In einem seiner späteren Essays schreibt Montaigne, Senecas "so heftiges und öfteres Bestreben zeigt, daß er selbst hitzig und ungestüm gewesen ist.? Wenn er betrachte, ?wie sehr sich Seneca anstrengt, um sich wider den Tod gefaßt zu machen, wenn ich betrachte, daß ihm der Angstschweiß darüber ausbricht, und daß er sich so lange mit Gewalt los zu reißen sucht, dann zeige das, dass ihm sein Gegner stark zusetzte."
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